Betty

„Was Reisen für mich so besonders macht? Nicht nur die schönen Orte dieser Welt, sondern vor allem die Menschen, die dort leben und die spannendsten & bewegendsten Geschichten auf Lager haben."

Betty, FairAway Redaktion

Betty Wilde arbeitet als Content Manager bei Fairaway

Myanmar ist noch nicht lange für den Tourismus geöffnet und galt bis vor kurzem noch als ein sehr ursprüngliches Reiseziel. Doch das wunderschöne Land bemerkt schon jetzt den wachsenden Einfluss der Touristen. Was zum einen eine wichtige Einnahmequelle für die lokale Bevölkerung ist und neue Perspektiven eröffnet, ist zum anderen eine Belastung für Menschen und Natur. Eine Region, die hiervon besonders betroffen ist, ist die Landschaft rund um den Inle See: Hier schießen Hotels in Form von Betonklötzen aus dem Boden, die Zahl der Ausflugsboote steigt ständig und viele Menschen sind überfordert mit den Massen. Es ist hier also sehr wichtig, dass sich der Tourismus, das alltägliche Leben und die Kultur Myanmars gegenseitig bereichern statt beeinträchtigen. Hier geben wir Ihnen Tipps und alternative Routen an die Hand, damit Sie den Inle See authentisch erleben und die Bevölkerung unterstützen können.


 

Der Blick auf den Inle See in Myanmar
Dammit Sie den schönen Inle See auch wirklich genießen können!

Fakten zum Tourismus in Myanmar und am Inle See

  • Die Zahl der Touristen stieg seit 2010 von 800.000 auf 4 Millionen
  • Die beliebteste Orte sind die Tempel von Bagan, der Inle See, Yangon und Mandalay
  • Dumpinglöhne und Korruption sind an der Tagesordnung
  • Abwässer aus Hotels werden oft direkt in den Inle See gepumpt
  • Der berühmte Inle Karpfen ist vom Aussterben bedroht
  • Viele Einheimische können sich das Leben in der Stadt nicht mehr leisten

1. Vorher eine Route für den Inle See festlegen

Wir empfehlen Ihnen, sich vor Ihrer Zeit am Inle See genau zu überlegen, was Sie sehen möchten und worauf Sie eher verzichten wollen. Wenn Sie eine Bootstour machen, kann es vorkommen, dass Sie nur zu den größten Attraktionen für Touristen gefahren werden. Denn an denen bekommen die Fahrer Provision, wenn Sie etwas kaufen. Das können Sie natürlich alles auch machen, aber hier gibt es dementsprechend steigende Touristenzahlen und Sie verpassen vielleicht die versteckteren und ruhigeren Orte. Unsere Expertin für Myanmar berät Sie gerne vor Ihrer Reise und vermittelt Sie an einen privaten Guide, der Ihnen die unentdeckten Plätze im See zeigt, wo Sie natürlich ebenfalls die Locals unterstützen können. 

Kanu fahren am Inle See in Myanmar
Eine Kanutour auf dem See lohnt sich!

2. Alternative Route zum Samkar See nehmen

Südlich des Inle Sees befindet sich der idyllische Samkar See, an dem Sie noch das unberührte Myanmar erleben können. Erkunden Sie die Umgebung zu Fuß, mit dem TukTuk oder mit dem Boot, besichtigen Sie lokale Handwerksbetriebe, lernen Sie ein typisches Pa-O Dorf kennen und essen Sie bei einer Familie eine hausgemachte Mahlzeit. Sie können übrigens entweder mit Privattransfer anreisen oder inmitten von Einheimischen mit dem öffentlichen Bus – letzteres ist eine unvergessliche Erfahrung: So authentisch werden Sie Myanmar selten erleben!

3. Früh starten

Wenn Sie Märkte besuchen wollen, empfehlen wir Ihnen, möglichst früh morgens zu starten. Die Einheimischen sind dann schon auf den Beinen, während die meisten Touristen noch schlummern, und Sie können zum Beispiel den 5-Tages-Markt in Ruhe erkunden. Dieser Markt findet fünf Tage die Woche jeweils an einem anderen Ort rund um den Inle See statt, sodass die Einheimischen aus jeder Region dort kaufen und verkaufen können. Außerdem gibt es schwimmende Märkte, die jedoch zunehmend touristischer werden. Grundsätzlich gilt: Je abgelegener ein Markt, desto größer die Chance auf eine authentische Erfahrung im lokalen Marktgewusel.

Der 5-Tagemarkt am Inle See
Früh sein lohnt sich!

4. Floating Villages erkunden

Der Inle See ist bekannt für seine schwimmenden Dörfer und Gärten. Diese sind dementsprechend eine Attraktion, die viele Menschen sehen wollen. Aber zum Glück gibt es viele davon und ihr Guide kann Sie, wenn gewünscht, an Orte in ruhigeren Ecken des Sees bringen. In den Dörfern selber können Sie zum Beispiel Handwerksbetriebe besuchen, mehr über den Anbau von Obst und Gemüse in Myanmar erfahren und selber mit einem Kanu durch das Wasser paddeln. Wenn Sie dann noch nicht genug haben, schlafen Sie doch eine Nacht auf dem See und genießen Sie die besondere Stimmung am Abend.

Ein schwimmendes Dorf am Inle See
Unsere Guides kennen die ruhigeren Ecken des Sees

5. Wandern und Fahrradfahren rund um den Inle See

Jeder, der an den Inle See fährt, macht natürlich eine Bootsfahrt – zu Recht! Aber es lohnt sich, auf Ihrer Myanmar Reise auch an Land rund um den See unterwegs zu sein. Bei Wanderungen oder Fahrradtouren abseits der Touristenpfade können Sie zusammen mit Ihrem Guide eine individuelle Route bestimmen – zum Beispiel vom Inle See nach Kalaw –, finden versteckte Orte und lernen kleine Dörfer und ihre verschiedenen Bewohner wie die Danu, die Pa-O sowie die Taung Yoe kennen. Beobachten Sie Bauern bei der Ernte von Blumenkohl, Kraut, Chilies, Knoblauch und Erdnüssen, kehren Sie in Klostern und bei Familien ein und genießen Sie die Ruhe und die malerische Landschaft!

6. Verwunschene Stupas in Indein bewundern

Das Dorf Indein am Westufer des Inle Sees ist berühmt für seine über 1.000 Stupas und hat sich (noch) seinen ursprünglichen Charakter bewahren können. Im Gegensatz zu den funkelnden und gefühlt auf Hochglanz polierten Pagoden, die man sonst überall in Myanmar findet, nehmen diese Sie mit auf eine Zeitreise. Viele Pagoden sind von der Natur überwuchert und abgebröckelt, es gibt verlassene Tempelanlagen mit uralten Zeichnungen an den Wänden. Ein wirklich mystischer Anblick, der verzaubert und auf eindrucksvolle Weise zeigt, wie die Natur sich Orte zurückerobert.

Die vielen Stupas in Kakku Myanmar
Schauen Sie sich die vielen Stupas an!

7. Attraktionen für Touristen erkennen

Damit Sie nachher nicht enttäuscht sind: Machen Sie sich bewusst, dass vieles, was früher für den Inle See stand, heute hauptsächlich Touristenattraktion ist. Dazu gehören zum Beispiel die akrobatischen Fischer, die auf ihren schmalen Kähnen auf einem Bein balancieren, die Long Neck Frauen und auch viele Handwerksbetriebe, die vermehrt für den touristischen Verkauf und nicht mehr für wirkliche Produktion da sind. Wundern Sie sich also nicht, wenn die Menschen für Fotos ein paar Münzen von Ihnen haben möchten. Es gibt sie aber auch noch, die echten Einbeinruderer, die tatsächlich auf diese Art und Weise fischen. Sie erkennen Sie daran, dass sie meist ältere Netze haben, nicht schick gekleidet sind und sich auf ihre Arbeit konzentrieren. Bitte fragen Sie nach, bevor Sie Fotos machen – und eine kleine Spende schadet auch hier nicht.

Ein Fischer am Inle See in Myanmar
Hat der Fischer ältere Netze? Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er wirklich fischt und dies nicht zur Touristenattraktion macht.

8. Katzen im Nga Phe Kyaung Kloster knuddeln

Hier kommen Katzenliebhaber auf ihre Kosten: Im Nga Hpe Kyaung Kloster – auch „Jumping Cat Monastery“ genannt – wohnen unzählige Katzen, denen die Mönche früher kleine Kunststücke beibrachten. Mit steigenden Touristenzahlen wurde das Ganze problematisch, da die Katzen (zum Glück) ihren ganz eigenen Kopf und damit keine Lust auf andauernde Show haben. Gehen Sie also bei einem Besuch mit gutem Beispiel voran und behutsam mit dem Tieren um, anstatt ein Zirkusprogramm zu erwarten. Aber der Besuch lohnt sich nicht nur wegen der Katzen: Das Kloster selber ist komplett auf Stelzen gebaut und kunstvoll mit wunderschönen Schnitzereien verziert.

9. Kochkurs am Inle See machen

Ein authentisches Erlebnis, bei dem Sie am Inle See in Kontakt mit den Einheimischen kommen können, ist ein Kochkurs mit anschließendem gemeinsamen Essen. Hierbei erfahren Sie nicht nur Rezepte, sondern auch alles über die Zutaten und ihre Beschaffung sowie über die Lebensgewohnheiten der Menschen vor Ort. Zum Beispiel besitzen die meisten Menschen keine Kühlschränke, sodass es Fleisch nur einmal die Woche – eben wenn Markt ist – gibt. Seien Sie nicht schüchtern, sondern nutzen Sie beim Brutzeln und Schlemmen die Gelegenheit, mehr über das Leben in Myanmar zu erfahren.

Eine Frau riecht an einem Gewürz bei dem Kochkurs in Myanmar
Bei einem Kochkurs lernen Sie die burmesische Küche kennen

10. Ruhe im Shweyanpyay Kloster genießen

Und noch ein Kloster: das Shweyanpyay Kloster(auch Shwe-Yan-Pyay-Kloster geschrieben), das aus rot gestrichenem Teakholz erbaut wurde, erreichen Sie zum Beispiel nach einer schönen Radtour, vorbei an lachenden Kindern und fleißigen Bauern auf den Feldern. Am Kloster angekommen sehen Sie das Leben der Mönche aus nächster Nähe und spüren direkt die Ruhe und Konzentration, die sie ausstrahlen. Genießen Sie die friedliche Stimmung, bewundern Sie die Buddha Statuen und plaudern Sie mit den Pilgern, die diesen besonderen Ort gerne besuchen.

11. Sich in den Höhlen von Pindaya verlieren

Wenn Sie in der Nähe des Klosters sind, ist es nicht weit in das gigantische Höhlenlabyrinth von Pindaya. Verzweigte Gänge, unzählige Buddhastatuen und Bilder an den Wänden sorgen für eine mysteriöse Atmosphäre und lassen Legenden lebendig werden. Apropos Legenden: Es heißt, dass hier einst Prinzessinnen von einer riesigen Spinne gefangen gehalten wurden. Davon ist heute nichts mehr zu sehen, dafür umso mehr von einer wunderschönen, im Sonnenlicht glitzernden Landschaft und einem Labyrinth mit einer wirklich magischen Ausstrahlung. Übrigens, wer sich für Handwerk interessiert und schönes Papier mag, der kann in Pindaya Werkstätten besuchen: Hier wird das traditionelle Shan Papier aus der Rinde des Maulbeerbaums hergestellt.

Eine Bitte zum Schluss

Auch wenn Sie am Inle See in Myanmar an Orte geraten, die Ihnen sehr touristisch vorkommen, und viele Leute Ihnen etwas verkaufen wollen: Bleiben Sie bitte freundlich und sprechen Sie auf Augenhöhe mit dem Menschen. Der Tourismus ist für viele Einheimische in Myanmar eine wichtige Einnahmequelle und wir hoffen, dass das Land eine langfristige Infrastruktur entwickeln kann, durch die alle Leute profitieren und trotzdem weder Natur noch Kultur leiden. 

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