Richtig Reisen - aber wie?

Frank Herrmann im Interview

Richtig Reisen, fair unterwegs sein – wie geht das?

Die Welt entdecken und dabei auch noch etwas Gutes tun für Land, Leute und die Umwelt? Reisen, die nicht nur den eigenen Horizont erweitern, sondern gleichzeitig Menschenrechte einbezieht, die Natur schützt und darüberhinaus den Klimawandel nicht noch weiter ankurbelt? Utopie oder kann man wirklich etwas tun? Wir haben mit Frank Herrmann gesprochen, Autor der Bücher FAIRreisen und Fair einkaufen – aber wie?, der nachhaltiges Reisen gerne stärker ins Bewusstsein der deutschen Bevölkerung bringen möchte.

 

Frank, was war der Auslöser für deine Reiseleidenschaft? Eigentlich hast du ja ein Aufbaustudium zum Thema ‚Dritte Welt‘ gemacht – klar, da sind Reisen unabdinglich, aber was war bei dir der Auslöser?

Es gab bei mir eigentlich keinen konkreten Auslöser, denn es gibt so viele spannende Ecken auf der Welt zu entdecken! In meiner Kindheit sind wir viel umgezogen und ich denke, dass sich dadurch eine Art von Nomadentum in mir verankert hat.

Und wie bist du auf den gesamten Themenkomplex der Nachhaltigkeit gekommen ?

Durch mein Aufbaustudium „Dritte Welt“ war ich viel in Ländern des globalen Südens unterwegs – und habe gesehen, welche ungerechte Verteilung bei Geld, Boden und Ressourcen  immer noch vorherrscht. Nachhaltigkeit verstehe ich dabei im weiteren Sinne – es geht nicht nur um den  CO2-Ausgleich, sondern auch darum, wie wir in Zukunft leben wollen, was wir essen, wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen. Das hat mich so bewegt, dass ich mich auch selber in dem Feld engagieren wollte.

Worin siehst du die größte Herausforderung im Themenfeld des nachhaltigen Tourismus in den nächsten Jahren?

Meiner Meinung nach gibt es nicht eine Herausforderung, sondern viele kleine. Denn jeder ist verantwortlich nachhaltiger zu handeln und dies bei den Reisen und beim Konsum im Allgemeinen umzusetzen. Wenn es konkret um Tourismus geht, sollte der CO2-Austoß sichtbarer und messbarer gemacht werden. Organisationen im Tourismus müssten in die Pflicht genommen werden, die Emissionen zu verringern und auszugleichen. Eventuell auch von staatlicher Seite. CO2 muss einen Preis bekommen, den alle zahlen.

 

richtig reisen

 

Würdest Du sagen, dass die Bedeutung von Nachhaltigkeit inzwischen besser verstanden wird oder ist es doch immer noch nicht viel mehr als ein Buzzwort, dass gern mal in den Raum geworfen wird?

Die Bedeutung von Nachhaltigkeit wird in jedem Fall besser verstanden, was angesichts vermüllter Meere, zunehmenden Flugverkehr und immer mehr Klimakatastrophen aber nicht wirklich überrascht. Was fehlt sind konkrete, global wirksame Maßnahmen, vor allem mit langfristigem Fokus.

Allein für Reiseveranstalter gibt es zahlreiche Zertifizierungsprogramme? Wie kann sich der Kunde orientieren, welchem Maßstab er/sie Glauben schenken kann bzw. wie kann ein Veranstalter Glaubwürdigkeit und Transparenz schaffen?

Die Hauptarbeit müssen Politik, Tourismusverbände und Veranstalter leisten. Wichtig ist, dass Urlaubsreisen im Allgemeinen nachhaltiger werden, mit oder ohne Zertifizierung. Ob und wie das dann dem Kunden kommuniziert wird, ist eine andere Geschichte. Aber wer beispielsweise die TourCert-Zertifizierung vorweisen kann (z. B. die Reiseveranstalter des forum anders reisen), ist in jedem Fall auf dem richtigen Weg.

Was sind Deiner Erfahrung nach die größten Irrglauben, wenn Kunden vor Ort etwas Gutes tun möchten (Geld-/ Sachspenden, Besuch von Projekten etc)?

Fehlende Information im Vorfeld. Es ist wenig sinnvoll Einheimischen Medikamente aus Deutschland dazulassen ohne einen Beipackzettel in deren Sprache. Projektbesuche machen nur dann Sinn, wenn die besuchte Organisation auch über eine Infrastruktur verfügt und die Zahl der Besucher limitiert ist. Geldspenden sollte man sich gut überlegen und nur absolut vertrauenswürdigen Organisationen zukommen lassen. Ideal sind persönliche Kontakte.

In deinem Buch FAIRreisen schreibst du, dass nur 8,5 % der deutschen Bevölkerung bis 2016 CO2-Emissionen kompensiert haben und nur 30 % dies zukünftig voraussichtlich tun werden. Warum ist deiner Meinung nach ein CO2-Ausgleich wichtig und wie kann hier ein anderes Bewusstsein für die Brisanz des Themas in der deutschen Bevölkerung angeregt werden?

Freiwilligkeit ist natürlich ganz schön und gut, aber es kann und darf keine Dauerlösung sein. In einer perfekteren Welt hätte natürlich jeder ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit und würde freiwillig CO2-Emissionen ausgleichen. Bis dahin sollte meiner Meinung das Verursacherprinzip gelten und Personen verpflichtend CO2-Emissionen ausgleichen. Sei es durch steuerliche Abgaben oder einen funktionierenden, weltweiten Emissionshandel.

Das Klima hat Vorrang. Das sehen jetzt auch allmählich die Umweltminister der EU, die zzt. eine Umweltsteuer auf Flugreisen diskutieren.

Der DRV hält seine Jahrestagung 2019 auf einem Kreuzfahrtschiff. Wie stehst Du dazu?

Das ist leider das falsche Signal, zeigt aber eindeutig, wo man beim DRV steht. Ein echtes Statement wäre eine Tagung auf einem Segelschiff. 

Du erwähnst in deinem Buch das Internationale Handbuch zu Tourismus und Frieden – und welche Rolle Tourismus zur Friedensstiftung beitragen kann. Was sind hier deine Erfahrungen von deinen Reisen, inwiefern kann durch verstärkten Tourismus mehr Frieden in der Welt erreicht werden und welche Aspekte müssen dabei besonders beachtet werden?

Tourismus sollte man lediglich als als begleitende Maßnahme zur Friedenssicherung verstehen. Auf der wirtschaftlichen Seite sollte ein Land nicht nur auf diesen einen Wirtschaftsfaktor bauen, sonst kann es, wie wir an den politischen Unruhen vergangener Jahre, wie zum Beispiel in der Türkei oder in Tunesien, gesehen haben, zu einem massiven Wirtschaftseinbruch  kommen. Andererseits können Reisen auch Stereotype abbauen und den Horizont erweitern – wenn man ‚richtig‘ reist.

Was meinst du mit ‚richtig reisen‘?

Im Tourismus ist häufig eine ‚Sensationslust‘ anzutreffen, v.a. wenn es zum Beispiel um den Besuch indigener Völker geht. Die Touristen möchten die Tracht und das Brauchtum kennen lernen, die Menschen dahinter interessieren sie weniger. Es geht aber darum, sich auf Augenhöhe zu begegnen, darum, dass das Einkommen des Tourismus breit gestreut wird und nicht wieder überwiegend bei den großen Tourismuskonzernen  landet. Das geht v.a. bei Individualreisen, bei zertifizierten organisierten Reisen in Kleingruppen und bei Reisen mit lokalen Anbietern. 

Welche Dinge müssen sich in der Reiselandschaft von heute grundlegend ändern, um auch übermorgen noch tolle Reisen anbieten zu können?

Von allem was Klimagase produziert oder Ressourcen verschlingt deutlich weniger: Flugreisen, Kreuzfahrten, All-inclusive, Heliskiing, Schneekanonen, Luxushotels, Jetskis, etc. Und von allem was der Umwelt nicht oder deutlich weniger schadet, viel mehr: kleine Ökohotels, Radreisen, Bahnurlaube, nahe Reiseziele, Segelurlaube, einheimische Produkte, etc. 

Okay, als Abschlussfrage würde mich interessieren, mit welchen drei Persönlichkeiten du essen gehen würdest, wenn du die freie Wahl hättest?

Es würde auf jeden Fall ein vegetarisch-veganes Essen geben. Am Tisch würde Prof. Dr. Strasdas sitzen, Leiter der Arbeitsgruppe ZENAT (Zentrum für Nachhaltigen Tourismus) der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Zudem wäre Nico Paech mit dabei, die Ikone der Postwachstumsbewegung. Und als Dritter säße noch Reinhold Messner am Tisch – einfach weil ich Berge liebe und er tolle Geschichten auf Lager hat!

Nachhaltig und verantwortungsvoll Reisen

In der Reisebranche finden Sie immer mehr soziale Unternehmen, wie Fairaway. Für uns ist es wichtiger, einen positiven Beitrag zu einer schöneren Welt zu leisten, als Geld zu verdienen. Als soziales Unternehmen halten wir es für wichtig, dass die Menschen in den besuchten Ländern auch vom Tourismus profitieren. Dies bedeutet zum Beispiel, dass Angestellte ein angemessenes Einkommen haben, dass Reisende häufig in kleinen Hotels übernachten und Ausflüge unternehmen, die ein authentisches Erlebnis bieten. 

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