Interview mit Claudia Mitteneder

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Wenn einer eine Reise tut … Sie kennen das, Sie haben eine Rundreise gebucht und möchten sich nun ideal auf Ihr Reiseziel vorbereiten. Doch der Markt wimmelt nur so von Reiseliteratur. Wie soll man hier eine passende Lektüre finden? Das Sympathie Magazin, herausgegeben vom Studienkreis Tourismus und Entwicklung, verschafft Ihnen einen prägnanten Überblick über das jeweilige Land. Zudem wird der Alltag der einheimischen Bevölkerung beleuchtet und ein spezieller Fokus liegt auf dem verantwortlichen Reiseverhalten. Wir haben mit Claudia Mitteneder, Geschäftsführerin des Studienkreises, gesprochen.

Was sind die Herausforderungen, mit denen Sie sich durch die Entwicklung des Sympathie Magazines befassen möchten?

Der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung beschäftigtclaudia mitteneder
sich seit vielen Jahren mit entwicklungsbezogener Informations- und Bildungsarbeit im Tourismus. In diesem Zusammenhang gibt er u.a. die „SympathieMagazine“ heraus. In Entwicklungs- und Schwellenländern ist der Tourismus oft einer der wenigen stabilen Wirtschaftszweige. 2012 wurden in diesen Regionen 485 Mio. Touristenankünfte aus dem Ausland verzeichnet, Tendenz steigend. Auf den ersten Blick ist das eine tolle Entwicklung, geht doch mit einem Wirtschaftswachstum in der Regel auch eine Steigerung des Wohlstands in der Bevölkerung einher. Doch wie bei allen Entwicklungen gibt es auch hier unter Umständen negative Begleiterscheinungen. Geringschätzung oder gar Missachtung der örtlichen kulturellen Besonderheiten oder unverhältnismäßige Belastung der natürlichen Ressourcen der Region gehen leider immer wieder mit touristischer Strukturentwicklung einher. Die SympathieMagazine wollen, wie schon der Name aussagt, Sympathie oder besser noch Empathie für die jeweiligen Gastländer wecken bzw. entwickeln. Reisende aufzuklären, sie optimal darauf vorbereiten, in Dialog mit der einheimischen Bevölkerung zu treten und so den Grundstein für einen sensiblen und nachhaltigen – sozialverantwortlichen – Tourismus zu legen, das sind die Herausforderungen, denen sich die SympathieMagazine stellen.

Welchen Einfluss auf die Gesellschaft versprechen Sie sich davon?

Mit den SympathieMagazinen möchten wir fundiertes Wissen über Reiseländer vermitteln und Touristen dadurch die Möglichkeit geben, verantwortungsbewusst mit ihrer Rolle als Reisende umzugehen. Im ersten Schritt wird also idealerweise ein Erkenntnisprozess in unserer Gesellschaft in Gang gesetzt, der dann Grundlage für ein nachhaltiges Reiseverhalten ist.

titel_kuba-08f45da0Gibt es einen besonderen Ansatz vom SympathieMagazin, um die angesprochenen Herausforderungen aus der ersten Frage zu bewältigen?

Um den Ländern gerecht zu werden, möchten wir weitestgehend auf eine Perspektive „von außen“ verzichten. Die Artikel im Magazin werden deshalb von Einheimischen und Ortskundigen verfasst. Nur so kann ein authentischer Einblick vermittelt und zu einem echten Dialog auf Augenhöhe hingeführt werden.

Worin sehen Sie die größte Herausforderung im Themenfeld nachhaltiger Tourismus in den nächsten Jahren?

Die größte Herausforderung besteht darin, die “breite Masse“ für einen nachhaltigen Tourismus zu sensibilisieren und attraktiv zu machen. Momentan werden Angebote in diesem Bereich hauptsächlich von einer bildungsaffinen Mittel- bzw. Oberschicht genutzt. Das mag einerseits mit dem zur Verfügung stehenden Reisebudget zu tun haben – andererseits liegt es schlicht an fehlendem Wissen zu diesen Fragen. Wir müssen uns also immer wieder die Frage nach unseren Ziel- und Dialoggruppen stellen. Bildungsangebote – wie beispielsweise die SympathieMagazine – werden oft von denjenigen genutzt, die sich ohnehin schon mit der Materie beschäftigt haben. Deshalb ist es wichtig, dass möglichst verschiedene Reiseveranstalter ihren Kunden die Magazine mitgeben und damit einen wertvollen Beitrag zum besseren Verständnis der interkulturellen Begegnung im Zielland leisten.

Was ist Ihre persönliche Motivation gewesen, sich mit dem Themenfeld zu beschäftigen?

Ich arbeite nun schon viele Jahre im Tourismus in unterschiedlichen Bereichen, z.B. im Veranstalterbereich, bei einer Fluggesellschaft und im Destinationsmarketing und habe mich schon immer mit nachhaltigem Reisen beschäftigt. Beim Studienkreis für Tourismus und Entwicklung kann ich nun meine Erfahrung aus den anderen touristischen Bereichen einbringen und praxisnahe Konzepte entwickeln. Ich engagiere mich in unterschiedlichen Gremien, die sich mit dieser Frage beschäftigen, und versuche so meinen Beitrag zu leisten.

Wenn Sie die Wahl hätten, mit welchen drei Persönlichkeiten würden Sie gerne essen, was gäbe es zu essen und warum haben Sie diese Personen ausgesucht?

Als Erstes kommt mir der Dalai Lama in den Sinn, ich bin ein Tibet-Fan und fände es äußerst spannend, mich mit ihm über das Land, die Menschen, die Religion und die damit verbundenen Probleme zu unterhalten. Zu essen gäbe es etwas Indisches, ich liebe die indische Küche. Dann würde ich auch gerne Jean Ziegler kennenlernen und mit ihm über unser neuestes SympathieMagazin „Menschenrechte verstehen“ diskutieren. Ihn würde ich einfach fragen, was er gerne isst und dann entsprechend kochen. Als Drittes würde ich noch gerne Michelle Obama treffen und mit ihr eine typisch bayrische Gaststätte besuchen, interessante Gesprächsthemen würden uns sicherlich nicht ausgehen.

 

 

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