Corona & Nachhaltigkeit:

Warum wir drauf beharren – und warum das gerade jetzt wichtig ist

Nachhaltigkeit: Hoffnung trotz Corona

Nachhaltigkeit nach Corona: Bitte mehr davon 

Delfine vor Venedig, Smog wie von Zauberhand verschwunden, Flieger am Boden: Ja, gerade gibt es für das Klima und die Natur immer mal wieder gute Nachrichten, die ihren Ursprung in der Corona-Krise haben. Gleichzeitig müssen wir auch gezielt weiterdenken: Wie geht es nach dieser Ausnahmesituation weiter, wie können wir genau jetzt die Weichen für eine bessere Zukunft stellen – und warum ist das so wichtig?

Status Quo: Wie steht es um das Thema Nachhaltigkeit?

Noch vor ein paar Monaten war Fridays for Future in aller Munde und fast täglich in der Presse – jetzt ist es gefühlt ganz still um die Klimaaktivisten geworden. Tatsächlich nur „gefühlt“, sie und andere Organisationen engagieren sich natürlich weiterhin. Aber die Politik und die Medien sind seit Februar einfach mit etwas anderem beschäftigt – mit dem Coronavirus. Das ist nur allzu verständlich: Maskenpflicht, Kurzarbeit, Impfstoff und Co., das sind Themen, die betreffen alle und es ist wichtig, die breite Öffentlichkeit zu informieren. Corona ist der neue „Endgegner“ – denn die Bedrohung ist jetzt da und durch Bilder aus Italien oder China sehr präsent. Der Klimawandel hingegen bleibt für viele abstrakt und scheint noch in weiter Zukunft. Doch diese Sichtweise ist gefährlich, denn wir müssen genau jetzt handeln, um zu verhindern, dass die Welt in eine Klimakatastrophe schlittert.

Neue Wege trotz Corona

Deshalb gilt: Trotz Corona dürfen wir nicht einfach auf den Pausenknopf drücken. Nachhaltigkeit muss weiterhin im Gespräch bleiben und in all seinen Facetten mitgedacht werden, wenn es um den Neustart der Wirtschaft und um soziale Fragen geht. Denn wenn Nachhaltigkeit und Corona-Krise getrennt behandelt werden, verschenken wir eine wichtige Chance: Wann, wenn nicht jetzt ist die Zeit, neue Wege einzuschlagen?

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Chance in Wirtschaft und Politik

Momentan ist vieles in Bewegung, doch mindestens genauso viele Menschen und Firmen warten noch darauf, dass sie wirkungsvoll unterstützt werden. Ein kurzer Querschnitt durch Entscheidungen, Erkenntnisse und Enttäuschungen in den letzten Wochen und Monaten:

  • Fluglinien und Veranstalter von Kreuzfahrten, riesige Konzerne und verantwortlich für unglaublich viel Umweltverschmutzung, werden mit einem Milliardenpaket gerettet, während die restliche Tourismusbranche in der Luft hängt: Es gibt unzählige Entlassungen, kleine Veranstalter sind jetzt schon am Limit.
  • Während wir hier auf Unterstützung von der Regierung hoffen und auch teilweise z. B. in Form von Kurzarbeit bekommen, sind viele Menschen in den Reiseländern existenziell bedroht.
  • Pflegekräfte und Menschen in systemrelevanten Berufen bekommen viel Applaus, aber wenn es um finanzielle Anerkennung gibt, wird wochenlang rumgedruckst.
  • Kulturschaffende, Barbesitzer und Co. wissen nicht, wie es weitergehen soll, fühlen sich im Stich gelassen.
  • Es musste erst Corona kommen, damit über die unfassbaren Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie gesprochen wird.

Das sind nur ein paar Beispiele, was gerade weltweit los ist. Momentan scheint eine allgemeine Überforderung zu herrschen, wie es weitergehen soll. Die Situation ist unübersichtlich, und an erster Stelle in der öffentlichen Diskussion sowie in den Entscheidungen der Politik stehen die Rettung der Wirtschaft und die Eindämmung des Virus. Hier wird ganz viel abgewogen, wie Hilfen verteilt werden, was gelockert werden kann und unter welchen Bedingungen. Und vieles bleibt auf der Strecke.

Langfristige Lösungen gesucht

Gleichzeitig erholen sich gerade Klima und Natur sozusagen ungeplant – aber Nachhaltigkeit ist nichts, was man dem Zufall überlassen sollte. Deswegen ist es hier wichtig, die Chancen zu erkennen und Lösungen zu finden, die nicht nur Brände löschen, sondern langfristig auf eine bessere Zukunft einzahlen. Statt eine Fluglinie einfach nur zu retten, könnte zum Beispiel die Bedingung dran geknüpft werden, dass es keine Inlandsflüge mehr gibt und mehr Geld in die Entwicklung von umweltfreundlichem Fliegen investiert werden. Statt die Autoindustrie einfach so wieder voll hochzufahren, könnte der Schwerpunkt auf Elektromobilität verlagert werden. Um die Tourismusbranche zu unterstützen, muss auch an die gedacht werden, die in den Reiseländern für einen unvergesslichen Urlaub für Touristen aus Deutschland sorgen.

Fliegen und Nachhaltigkeit: Perspektiven nach Corona

Nachhaltigkeit sozial denken

Man sieht es auch schon an den Beispielen oben: Nachhaltigkeit und soziale Fragen sind untrennbar miteinander verbunden. Politische Entscheidungen haben immer einen Einfluss auf den individuellen Menschen. Jenseits der großen wirtschaftlichen Krise tun sich gerade viele soziale Probleme auf, es gibt unzählige Einzelschicksale und viele Berufsgruppen, die in der Situation besonders viel Unterstützung und Solidarität brauchen. Um ein vieldiskutiertes Beispiel zu nennen: Applaus kann und darf nicht davon ablenken, wie die Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern sind. Gleichzeitig ist es wie bereits angedeutet auch unheimlich wichtig, gerade jetzt auch in andere Länder zu schauen. Globalisierung muss auch bedeuten, dass international in einer solchen Krise mehr Verantwortung übernommen wird. Bei unseren Partnern in Vietnam, Peru oder Tansania gibt es keine Kurzarbeit – was können wir als internationale Gemeinschaft tun, um den Menschen das Überleben zu sichern? Auch hier brauchen wir Lösungen, die nicht nur kurzfristig helfen, sondern auf denen wir langfristig eine bessere Welt aufbauen können.

Locals kennenlernen in Bhutan

Nachhaltigkeit im privaten Raum

Laut einer Umfrage wird gerade so bewusst konsumiert wie noch nie – zum Beispiel mehr frische Lebensmittel und weniger Mode. Das macht Sinn, schließlich waren alle in den letzten Wochen viel mehr zu Hause als sonst. Neue Outfits hatten eher weniger Priorität, dafür haben wir mehr gekocht. Viele Leute machen mehr Sport gerade und passen dabei auch ihre Ernährung an. Gleichzeitig haben wir mehr Zeit – während wir früher auf dem Heimweg von der Arbeit schnell in den Discounter gesprungen sind, gehen wir jetzt vielleicht den Umweg in den Bio- oder Unverpackt-Laden. Und wir merken, wie angenehm es ist, auf dem Markt an der frischen Luft oder im kleinen Tante-Emma-Laden einzukaufen statt im großen Supermarkt. Es gibt zahlreiche Dinge, die wir gerade nebenbei sozusagen auf die harte Tour lernen – und die wir nach Corona unbedingt beibehalten sollten!

Mehr To-Go bedeutet mehr Plastik

Zugleich stehen wir gerade auch oft vor einem Dilemma: Viele Restaurants und Bars bieten To-Go-Produkte an, die meistens in Plastik daherkommen. Was wiegt hier schwerer: Dass wir zur Rettung unseres Lieblingsitalieners beitragen – oder dass wir, Krise hin oder her, keine Wegwerfverpackungen annehmen sollten? Hier gibt es leider kein richtig oder falsch. Wegen der Hygienevorschriften ist es meistens nicht erlaubt, eigene Gefäße mitzubringen. Das Einzige, was wir tun können, ist, in Maßen vorzugehen. Und auch hier wird mehr als deutlich, dass wir einfach mehr Alternativen für die breite Masse zu Plastik brauchen. Zumal die Öffnung von z. B. Hotels gerade mit unglaublich viel Plastikmüll einhergeht, weil für mehr Hygiene Dinge Türklinken und Co. eingewickelt werden. Das kann auf Dauer kein Konzept sein.

To Go Produkte produzieren Plastik

Aus der Krise in einen nachhaltigeren Alltag

Doch genug der Probleme, denn es gibt auch gute Ansätze! Hier ein paar Beispiele, was wir in der Krise gelernt haben, wie jeder zu mehr Nachhaltigkeit beitragen kann, ohne dass es weh tut – im Gegenteil, es tut sogar richtig gut:

  • Flugreisen sind sehr oft verzichtbar – mit Kollegen aus anderen Städten klappt es auch wunderbar über Skype
  • Gesund und mit frischen Lebensmitteln kochen ist gar nicht so schwer, macht Spaß und ist leckerer als Fast Food
  • Hamsterkäufe sind für niemanden gut, sondern führen zu Lebensmittelverschwendung – es lohnt sich, sich die Zeit zu nehmen, gezielt und in kleineren Mengen einzukaufen (zum Beispiel frisches Gemüse auf dem Markt ohne Verpackung)
  • So viel brauchen wir gar nicht – das Geheimnis ist, einfach bewusster zu shoppen, im Blick zu wissen, was man hat und bei Neuanschaffungen vielleicht auch erstmal Second Hand zu schauen
  • DIY ist nicht nur ein netter Zeitvertreib, sondern kann alten Dingen zu neuem Glanz verhelfen und so Müll reduzieren
  • Das Auto mal zugunsten des Fahrrads stehen lassen ist super einfach und es ist schön, in einer Stadt mit weniger Autos unterwegs zu sein
  • Bewegung und Sport an der frischen Luft tut gut, der innere Schweinehund ist besiegbar
  • Einfach mal ein bisschen bewusster und langsamer unterwegs sein ist wunderbar entschleunigend
  • Home Office funktioniert und spart CO2 Emissionen ein

Und was uns natürlich ganz besonders am Herzen liegt: Wir hoffen, dass das Reisen der Zukunft mit mehr Wertschätzung stattfindet, dass die Natur, die sich gerade erholt, besser geschützt wird und wir es nicht mehr für selbstverständlich halten, durch die Welt zu jetten.

Das Team von fairaway mit dem Travelife Zertifikat

Von Corona gelernt

Auch wenn es in einer weltweiten Krise mit so vielen Toten und so viel wirtschaftlichem Schaden keine Gewinner gibt, so können wir doch einen ganz zentrale Erkenntnis mitnehmen: Grundsätzlich zeigt uns Corona gerade seht deutlich, dass es in solchen Situationen Sinn macht, auf Menschen zu hören, die sich damit auskennen. Nämlich Wissenschaftler. Wenn wir diese Erkenntnis auch für die Nachhaltigkeit bewahren, kann immer noch alles gut werden.

Anti Valentinstag: Unromantische Reiseziele

Nachhaltig und verantwortungsvoll Reisen

In der Reisebranche finden Sie immer mehr soziale Unternehmen, wie Fairaway. Für uns ist es wichtiger, einen positiven Beitrag zu einer schöneren Welt zu leisten, als Geld zu verdienen. Als soziales Unternehmen halten wir es für wichtig, dass die Menschen in den besuchten Ländern auch vom Tourismus profitieren. Dies bedeutet zum Beispiel, dass Angestellte ein angemessenes Einkommen haben, dass Reisende häufig in kleinen Hotels übernachten und Ausflüge unternehmen, die ein authentisches Erlebnis bieten. 

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