Wie Sie trotz schlechtem Wetter richtig gute Reisefotos machen

Noch nie wurden so viele Reisefotos gemacht wie heute. Erschwingliche Kamerasysteme, technisch aufgemotzte Smartphones, die jede alte Digitalkamera alt aussehen lassen, und natürlich diverse Social-Media-Plattformen, die zum Teilen der fotografischen Werke einladen, haben zur Folge, dass bekannte Touristenattraktionen rund um den Globus quasi im Sekundentakt abgelichtet werden.

Mit dem fragwürdigen Ergebnis, dass es Millionen Bilder von berühmten Sehenswürdigkeiten, wie dem Eiffelturm oder dem Empire State Building, aus der gleichen Perspektive gibt. Eigentlich ziemlich langweilig. Und wenn es dann noch bewölkt ist oder gar regnet, sehen die Fotos erst Recht ziemlich trist aus.

[caption id="attachment_35341" align="aligncenter" width="700"]reisefotos Ein ziemlich langweiliger Touristenschnappschuss von Schloss Schönbrunn in Wien[/caption]

 

Mit diesem Artikel wollen wir Ihnen zeigen, wie Sie mit kleinen Hilfsmitteln und ein paar technischen Grundlagen mehr aus Ihren Reisefotos machen und so aus dem Einheitsbrei der Touristenschnappschüsse herausstechen können.

Da wir uns gerade in einer ziemlich nass-kalten und ungemütlichen Jahreszeit befinden, wollen wir unser Hauptaugenmerk darauf richten und Ihnen aufzeigen, dass Sie auch von einem verregneten Städtetrip mit coolen Fotos nach Hause kommen können. Außerdem geben wir Ihnen Tipps, wie Sie natürliche Wasserquellen wie Springbrunnen, Bäche oder Pfützen mit ein paar Tricks kreativ in Szene setzen können, so dass daraus einzigartige Reiseerinnerungen entstehen.

Hilfe es regnet- kreative Reisefotos bei schlechtem Wetter

Schlechtes Wetter mit grauen Wolkendecken, Nebel und Regenschauern ist die Horrorvorstellung eines jeden Fotografen. Wenn Sie sich jedoch von der Idee lösen, Standardfotos wie aus dem Reiseführer knipsen zu müssen, werden Sie merken, dass sich auch bei tristem Wetter richtig tolle Foto-Möglichkeiten ergeben können.

Das heißt übrigens nicht, dass Sie bei strömendem Regen stundenlang zu Fuß durch die Stadt laufen sollen! Bei einem Wolkenbruch würde ich Ihnen schon zum Wohle Ihrer Kamera zu einem Museumsbesuch oder einer kleinen Pause in einem Kaffeehaus raten,  aber wenn es zwischendurch auflockert und der Regen weniger wird, ergeben sich speziell in Städten und an beleuchteten Plätzen ganz außergewöhnliche Perspektiven.

Tipp 1: Nutzen Sie Reflexionen für Ihre Fotos

Nach einem Regenschauer schimmern die Lichter einer Stadt auf ganz besondere Weise und alles ist von einem intensiven Glanz erfasst. Sie werden kaum interessantere Motive finden, als wenn Sie nach einem Regenschauer abends oder spätnachmittags mit Ihrer Kamera durch die Stadt ziehen.

Ich persönlich finde viele Architektur-Aufnahmen bei Nacht sowieso spannender, weil man mit Langzeitbelichtung viele tolle Effekte erzielen kann. Nach einem Regenschauer verstärkt sich der Eindruck aber noch und selbst fade Gebäude wirken plötzlich richtig festlich.

[caption id="attachment_35339" align="aligncenter" width="700"]reisefotos Dieses Foto zeigt das Regierungsgebäude in Barcelona nach einem Regenschauer[/caption] [caption id="attachment_35348" align="aligncenter" width="700"] Diese Reflexion zeigt die Hofburg in Wien nach einem Regenschauer![/caption]

Noch faszinierender wird es allerdings, wenn Sie sich auf die Suche nach Details machen. Haben Sie schon einmal bewusst nach Pfützen Ausschau gehalten, in denen sich coole Dinge spiegeln? Nein? Dann wird es dafür höchste Zeit, denn auf diese Art und Weise können Sie Sehenswürdigkeiten extrem kreativ ablichten.

Einfacher sind solche Fotos bei Objekten, vor denen sich eine künstlich geschaffene Wasserquelle befindet, da Sie relativ zeit- und wetterunabhängig agieren können. Schwieriger wird es, wenn man sich nach einem Regenschauer gezielt auf die Suche nach einzigartigen Spiegelungen macht. Mit der Zeit kriegt man aber ein Gefühl dafür, wohin man schauen sollte und in welchem Winkel man die Kamera ausrichten muss.

[caption id="attachment_35342" align="aligncenter" width="700"] Die Karlskirche in Wien samt Reflexion im sich davor befindlichen Teich[/caption] [caption id="attachment_35343" align="aligncenter" width="700"] Das Louvre in Paris mit Spiegelung[/caption]

Tipp 2: Reisefotos in schwarz-weiß

Wenn das Wetter trist ist und die Stadt in grauer Melancholie versinkt, lohnt es sich oft, die Bilder in schwarz-weiß zu fotografieren, oder, der modernen digitalen Fotografie sei Dank, sie zu Hause in schwarz-weiß zu konvertieren.

Bilder leben von Farben, doch wenn das Wetter nicht passt und damit die Kontraste fehlen, wirken sie oft ziemlich langweilig. Das kann sich aber ändern, wenn man das Bild in schwarz-weiß ansieht. Gerade bei Gebäuden wirkt das oft Wunder.

Falls Sie schon fortgeschritten sind und über Grundkenntnisse in der Bildbearbeitung verfügen, können Sie auch das Bild in schwarz -weiß konvertieren und nur einen Teil, z.B. einen bunten Gegenstand oder ein farbenfrohes Plakat, auslassen. Auch damit kreieren Sie einen Effekt, der Ihr Bild aufpeppt und von der Masse abhebt.

[caption id="attachment_35338" align="aligncenter" width="700"] Lissabon bei trübem Wetter-ein farbloser Einheitsbrei[/caption] [caption id="attachment_35337" align="aligncenter" width="700"] In schwarz-weiß sieht das Bild deutlich interessanter aus[/caption]

Tipp 3: Nutzen Sie einen Graufilter für kreative Effekte

Der Graufilter ist mein liebstes technisches Hilfsmittel beim Fotografieren. Man benutzt ihn, um bei Tageslicht Langzeitbelichtungen durchführen zu können.

Das ist zwar normalerweise nicht notwendig, aber die Langzeitbelichtung hat ein paar Begleiterscheinungen, die wir uns für kreative Fotos zu Nutze machen können: Den Schleier- bzw. Nebeleffekt bei fließendem Wasser und den Wischeffekt bei Wolkenformationen.

Je nach dem wie lange Sie die Reisefotos belichten, ist der Effekt stärker oder schwächer. Um das Wasser weich erscheinen zu lassen, sollten Sie schon mindestens eine Sekunde belichten. Dramatische Wolkenformationen entstehen- je nach Windverhältnissen – oft erst bei Belichtungszeiten um die 30 Sekunden.

[caption id="attachment_35344" align="aligncenter" width="700"] Ein kleiner Wasserfall in Afrika, 10 Sekunden belichtet am Tag mit einem 64x Graufilter.[/caption]

Graufilter sind in verschiedenen Stärken erhältlich, die gängigsten sind 8x, 64x und 1000x und die Namen sind eigentlich selbsterklärend. Mit einem Graufilter 1000x können Sie also 1000x länger belichten, also das bei normalen Lichtverhältnissen möglich wäre. Wenn Ihre Kamera also z.B. 1/10 Sekunde als optimale Belichtungszeit ausspuckt, werden daraus bei Einsatz eines 1000x Graufilters 100 Sekunden.

Und für alle, denen das Kopfrechnen zu mühsam ist gibt es auch schon spezielle Apps, die diese Aufgabe für dich übernehmen z.B. ND Filter Rechner oder Exposure Calculator.

Wie bei allen Langzeitbelichtungen brauchen Sie natürlich auch ein Stativ und Sie sollten einen externen Auslöser (Fernauslöser) für Ihre Kamera verwenden. Alternativ tut es natürlich auch der Selbstauslöser!

Falls Ihre Kamera bzw. Ihr Objektiv über einen Bildstabilisator (bei Nikon VR) verfügt, schalten Sie diesen aus, wenn die Kamera am Stativ befestigt ist. Das klingt eventuell etwas paradox, aber wenn der Sensor permanent versucht das Bild zu stabilisieren, kann das unscharfe Fotos zur Folge haben.

Wenn alles vorbereitet ist, mache ich persönlich meistens ein Testbild ohne Filter und schaue, was die optimale Belichtungszeit wäre. Danach fokussiere ich manuell, da der Autofokus oft nicht mehr funktioniert, sobald der Graufilter aufgeschraubt wurde.

Das erste Bild schieße ich dann meistens mit der von der App bzw. in meinem Kopf berechneten neuen Belichtungszeit. Erfahrungsgemäß schadet es aber nicht, etwas zu experimentieren und verschiedene Einstellungen zu testen. Wenn Sie Ihre Fotos mit Lightroom bearbeiten, sind Sie außerdem noch etwas flexibler, da sich ein paar Stufen recht problemlos korrigieren lassen. Komplett falsch sollten Sie natürlich trotzdem nicht liegen, weil sonst die Bildqualität leidet.

Ich hoffe, Ihnen mit diesem Artikel ein paar Anregunge, für kreative Reisefotos auch bei auf den ersten Blick nicht idealen Bedingungen, gegeben zu haben. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Ausprobieren und Experimentieren und freue mich über Ihre (fotografischen) Rückmeldungen in den Kommentaren oder per Mail.!

Dieser Beitrag ist ein Gastbeitrag von Lisa, die auf Imprintmytravel über ihre beiden Leidenschaften Reisen und Fotografie schreibt.

[caption id="attachment_35345" align="aligncenter" width="700"] Ein ziemlich langweiliges Bild an einem grauen Tag[/caption] [caption id="attachment_35346" align="aligncenter" width="700"] Fast das gleiche Bild- 112 Sekunden belichtet mit einem 1000x Graufilter[/caption]

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