Kaputt, na und?

Repair Cafés weltweit

Ratter, ratter, peng. Das war es, das Geräusch, das meine Nähmaschine machte, bevor nichts mehr funktionierte. In einem Comic würden jetzt wohl graue Rauchschwaden aufziehen, in meiner Berliner Wohnung sitze nur ich verzweifelt vor dem Gerät und komme nicht weiter. Zugegeben, ich bin auch nicht sehr versiert in elektronischen Reparaturen, das jedoch, was die Anleitung hergibt, reicht nicht aus, um die Nähmaschine zu reparieren. Eine neue Maschine kaufen? Nicht nur, dass ich nicht das Geld investieren will, es hängen auch Nostalgiewerte an diesem Gerät und zudem möchte ich nicht gerne zu der Wegwerfgesellschaft gehören. Was also tun? Nach einiger Recherche stoße ich auf das Repair Cafe – eine Initiative, die es seit 2009 weltweit gibt.

repair cafe

Das Repair Cafe

„Wegwerfen? Denkste!“ springt es mir auf der Homepage entgegen. Das klingt schon mal interessant. „In Europa werfen wir Unmengen weg. Auch Gegenstände, an denen nicht viel kaputt ist und die nach einer einfachen Reparatur problemlos wieder verwendet werden könnten. Leider ist das Reparieren bei den meisten Menschen aus der Mode gekommen. Sie wissen einfach nicht mehr, wie man Dinge repariert.“ Zugegeben, ich fühle mich ein bisschen ertappt, auch ich habe nicht viele Fähigkeiten, wenn es um die elektronische Reparatur geht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Und wie genau läuft das nun ab? Ein Repair Café findet meistens einmal im Monat oder Quartal statt, das hängt natürlich auch von der Größe der Stadt ab. Ich habe Glück und in Berlin finden sich in unterschiedlichen Bezirken mehrere Veranstalter. Verschiedene ehrenamtliche Reparateure stehen dann mit Rat und Tat (und Werkzeug) den ganzen Tag zur Seite – und das ist komplett kostenlos. Menschen, die ihr Wissen weitergeben möchten. Wow, ich bin begeistert. Und neugierig.

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Kaputte Dinge zu einem neuen Zweck verhelfen

Da auch Kleidung, Möbel oder Fahrräder repariert werden (das Prinzip ist, das man die zu reparierenden Geräte selbst mitbringt und trägt), nehme ich auch gleich mein Fahrrad mit, das seit heute einen Platten hat. Ich komme an und es erwarten mich verschiedene Stationen an denen kaputte Gegenstände repariert werden. Mein Fahrrad muss nur geflickt werden – das hätte ich wohl auch zuhause noch hinbekommen. Bei der Nähmaschine wird es schon komplizierter, aber am Ende schaffen wir es. Ich erfahre, dass pro Person 17 Kilogramm Elektro-Schrott pro Person und Jahr produziert werden – und bin ein bisschen stolz, etwas dagegen getan zu haben.

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Martine Postma und die Vision der Nachhaltigkeit

Die Initiative der Repair Cafés wurden von Martine Postma gestartet. In Amsterdam ging die Aktion los, der erste Reparaturabend war ein voller Erfolg. Seitdem gibt es die niederländische Stiftung „Stichting Repair Café“, die Initiativen in den Niederlanden und im Ausland Unterstützung anbietet. Mehr als 100 Repair Cafés gibt es nun in Deutschland, weltweit sind 1559 Initiativen gemeldet. Auch in Indien, Südafrika oder Ghana gibt es Menschen, die gerne ihr Wissen weitergeben. Wie praktisch – denn sollte etwas auf meiner nächsten Südafrikareise kaputt gehen, kann ich es dort vielleicht reparieren lassen.

Gemeinsam besser leben

Nach der Reparatur lade ich den Elektriker noch zu einem Kaffee und einen Stück Kuchen ein, die die Helfer verkaufen. Jeder ist hier willkommen – und so geht es auch um die Gemeinschaft, neue Leute kennenzulernen und das Wissen weiterzugeben, so dass Hilfe zur Selbsthilfe entsteht. Eine tolle Sache – und vielleicht bin ich beim nächsten Repair-Café mit meiner reparierten Nähmaschine dabei und helfe, kaputte Kleidung zu nähen. Aber jetzt geht es erstmal nach Hause, schließlich möchte ich meinen Kulturbeutel zu Ende nähen, den ich auf meine nächste Reise mitnehme.

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