Jeden Tag ein bisschen besser

von Dirk | Nachhaltig unterwegs

Die Europäische Nachhaltigkeitswoche ist zu Ende. Wussten Sie, dass es diese gab? Leider wurde nur wenig darüber berichtet, ausgenommen natürlich die Fachpresse oder vereinzelte Blogs. Lesen Sie unser Resumeé der Woche!

Um die Welt zu verändern, muss man bei sich selbst anfangen. Aus dem Grunde stellten wir uns unserer selbstgemachten Herausforderung, innerhalb der Europäischen Nachhaltigkeitswoche plastikfreier zu leben. Doch was bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich? Dieses Wort taucht relativ häufig auf – bei Unternehmen, in der Presse oder in Magazinen. Viele Firmen erwähnen es meist irgendwo auf ihrer Webseite, meist in der Unternehmensphilosophie. Oft ist es hier schwer zwischen Greenwashing und ernstgemeinten Initiativen zu unterscheiden. Mein Tipp: Fragen Sie doch einfach mal nach, welche Wirkung erzielt werden soll und wie dies umgesetzt wird.

Eine Woche plastikfrei leben

Im Zuge der genannten Europäischen Nachhaltigkeitswoche wollten wir wissen, wie schwer es eigentlich ist, in der heutigen Zeit im Alltag auf Plastik zu verzichten. Es ging uns nicht darum, alle Plastikprodukte (u.a. ja auch Tupperdosen) wegzuschmeissen – das wäre ja weniger nachhaltig gewesen. Unser Ziel bestand darin, keinen weiteren Plastikmüll zu produzieren. Und dies war schon schwerer, als gedacht.

Wenn man mal das große Ganze betrachtet, habe ich festgelegt, dass wir von Plastik und Verpackungen umgeben sind. Liegt das daran, dass die Deutschen bequem geworden sind? Mir wurde dies bewusst, als ich den Eingang eines Supermarkts betrat. Ich stoße gleich auf die ‚Convenience Artikel‘. Frisches Obst in Häppchen geschnitten und wunderschön in klaren Plastikbehältern präsentiert. Gefühlt hunderte Sorten Wurst und Käse aufgereiht. Es ist gücklicherweise aber auch möglich, plastikfrei einzukaufen, wenn auch nur sehr eingeschränkt. Milch und Joghurt sind im Glas erhältlich. Eine Auswahl an Gemüse und Obst gibt es teilweise völlig unverpackt und dann gibt es da die gute alte Seife, die gleich etwas von Nostalgie aufkommen lässt. Was ich nicht im regulären Supermarkt bekommen konnte, waren Putzmittel, Zahnpasta und leider auch mein morgendliches Müsli. Verzichten musste ich dennoch nicht, dank des Besuchs im Unverpackt Laden, was auch für mich eine ganz neue Erfahrung war.

Europäische Nachhaltigkeitswoche
Europäische Nachhaltigkeitswoche

Schön und gut, aber was hat das mit Tourismus zu tun?

Ganz schön viel! Jede Minute landet eine LKW Ladung Plastikmüll in unseren Ozeanen. Wenn man sich das bildlich vorstellt, ist das ganz schön erschreckend, oder? Strand und Meer sind besonders bei uns Deutschen ein äußerst beliebtes Kriterium, wenn es um die Auswahl des nächsten Reisezieles geht. Thailand, Jamaika, Costa Rica, Kuba – Traumziele, die Traumstrände versprechen. Damit dies auch so bleibt, müssen wir jedoch unser Verhalten ändern. Plastiktüten, Bierdosen und anderer Müll werden mit jeder Welle ans Land geschwemmt. Allerdings verursacht das Abfallproblem im Ozean noch weitaus größere Probleme: Der Müll wird von Fischen aufgenommen, die dann daran sterben oder auf Ihrem Teller landen. Es gibt ganze Studien, wie viel Plastikpartikel wir täglich zu uns nehmen. Geht die Müllproduktion so weiter wie bisher, wird es bis 2050 gewichtsmäßig mehr Plastikmüll im Meer geben, als Fische.

Warum der ganze Aufwand, denn schliesslich haben wir ja ein gutes Recyclingsystem, oder? Recycling wird in Deutschland tatsächlich weit mehr praktiziert als in Ländern wie Vietnam oder Sri Lanka. Doch letztendlich wird der meiste Müll wirklich nur getrennt und nicht wirklich recycelt. An die 500 Jahre dauert es, bis sich so eine Kunststoffflasche zersetzt.

Europäische Nachhaltigkeitswoche – bleiben wir realistisch

Zum Denken anregen. Genau das hofften wir, mit unserer plastikfreien Woche zu erreichen. Für Sie, aber auch für uns selbst: Einen Denkanstoß liefern, was wir alltäglich besser machen können. Im Gegensatz zu so einigen anderen Reiseanbietern, reden wir nicht einfach nur über Nachhaltigkeit.  Das Selbstexperiment hat mir gezeigt, wie schwer es tatsächlich ist, plastikfrei zu leben. Es gibt einige wenige Menschen, die das auch dauerhaft schaffen. Um ganz ehrlich zu sein, bin ich auch irgendwie froh, dass die Woche vorüber ist und ich habe auch schon wieder den Plastikmüllbeutel aufgestellt.

Dennoch habe ich einiges gelernt und gehe ein stückweit umweltbewusster durch den Tag. Zwar musste ich auf ein paar Sachen verzichten, doch waren diese ganz offensichtlich nicht lebensnotwendig. Beim Einkaufen schaue ich nun erst einmal, ob es nicht doch unverpackte Alternativen gibt. Der Bäcker an der Ecke verkauft nicht nur frisches Brot in der Papiertüte, sondern ist auch weitaus freundlicher als die Kassiererin im Supermarkt.

Mein guter Vorsatz für die nächste Reise? Natürlich weiterhin meine Dopperflasche verwenden, jeden Tag wenigstens drei Teile Müll aufheben und versuchen den Mojito auch mal ohne Strohhalm zu genießen.

Dirk Radke

Dirk Radke

Manager bei Fairaway

Wenn Dirk nicht gerade auf der Welt unterwegs ist und unter leuchtenden Laternen in Hoi An Rad fährt, arbeitet er in seinem Traumberuf, der Tourismusindustrie. Diese ist für ihn die beste Lehrerin, wenn es um das Erlernen von gegenseitigem Respekt, Diversität und die Wertschätzung der Gegenwart geht. Mittags isst er am liebsten Khao Soi (gelbes curry mit knusprigen Nudeln) und klebrigen Mangoreis. Sein Tipp: Auch mal das Smartphone auf Reisen ausschalten und das hier und jetzt genießen. Carpe Diem!

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