Interview mit Mariska van Gaalen von Endeva

Heute stellen wir Ihnen die Organisation Endeva vor – anhand eines Interviews mit Mariska van Gaalen, Expertin für den Bereich „Inclusive Tourism“ bei Endeva. Sie ist die Hauptautorin des Berichts “Mutual Benefit – A Guide to Inclusive Business in Tourism”, der 2014 publiziert wurde. Dieser soll Inhaber und Manager von Tourismusorganisationen dazu anregen, mit der lokalen Bevölkerung zusammenzuarbeiten.

Fairaway: Endeva ist eine Organisation, die integrative Entwicklungsgeschäfte (inclusive business models) fördern möchte. Dabei setzt Ihr Euch mit unterschiedlichen Partnern aus den verschiedenen Bereichen auseinander – Wirtschaftsakteure, NGOs oder Universitäten. Welche Rolle spielt Tourismus bei Eurer Arbeit und wie definiert Ihr Inclusive Tourism?

Mariska van Gaalen: Tourismus ist für uns ein wichtiger Sektor. Er bietet eine Einkommensquelle für die lokale Bevölkerung, bei denen oft Alternativen fehlen. Allerdings muss festgehalten werden, dass es noch viel Entwicklungspotenzial für eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Akteuren gibt. Dies ist wichtig, weil es lokalen Unternehmern und Neueinsteigern oft an Verknüpfungen zu der Tourismusindustrie fehlt, so dass deren Einkommen relativ niedrig ist. Wir definieren Inclusive Tourism als Tourismus, der geschäftliche Verbindungen zwischen einkommensschwachen Gemeinschaften und Akteuren aus der Tourismusindustrie steigert, mit dem Ziel langfristige und gemeinsame Vorteile zu schaffen.

[caption id="attachment_33763" align="aligncenter" width="700"]Bei der Kaffeeroute in Peru von Fairaway können Reisende zum Beispiel die lokale Bevölkerung kennenlernen und Interessantesüber die Ksffeeproduktion lernen. Bei der Kaffeeroute in Peru von Fairaway können Reisende zum Beispiel die lokale Bevölkerung kennenlernen und Interessantes über die Kaffeeproduktion lernen.[/caption]

Die weltweite Tourismusindustrie ist für 9 % des globalen BIP verantwortlich – umso wichtiger ist es, sich mit Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung auseinanderzusetzen. Was wäre der erste Schritt für ein Tourismusunternehmen, um verantwortlich(er) zu handeln?

Jedes Tourismusunternehmen kann damit anfangen, einen internen Nachhaltigkeitscheck durchzuführen. Dabei schaut man z.B. auf die Aspekte des Energieverbrauches, inwiefern nachhaltig und lokal eingekauft wird, aber auch ob die eigenen Mitarbeiter faire Arbeitsbedingungen haben und wo Verbesserungspotentiale liegen. Die meisten Zertifizierungssysteme bieten hier eine Hilfestellung an und lohnen sich als Investition.

[caption id="attachment_33765" align="aligncenter" width="700"]suikerriet-3 In Suriname können Reisende bei Fairaway mit dem Fahrrad mehr über die Kolonialgeschichte Surinames erfahren.[/caption]

Welche Rolle spielt die UN und die Sustainable Development Goals deiner Meinung nach für die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Jahre? Denkst du, dass das Jahr 2017 zum Thema „Nachhaltiger Tourismus“ hier nachhaltig etwas verändern kann?

Mit den Sustainable Development Goals (SDGs) ist eine Richtung vorgegeben, in die es, auch für den Tourismus, gehen soll. Die Herausforderung liegt nun in der Umsetzung dieser. Hier arbeitet die UN an verschiedenen Programmen, z.B. durch die UN World Tourism Organisation, aber auch die UNDP hat Programme zur Förderung des integrativen Tourismus aufgebaut. Das Jahr 2017 wurde zum Themenjahr des „Nachhaltigen Tourismus“ gemacht. Dies hilft dabei, mehr Aufmerksamkeit für die SDGs zu erzielen und auch die Umsetzung voranzutreiben.

Abgesehen von der Tourismusindustrie – was kann deiner Meinung nach jede*r Einzelne tun, um nachhaltiger zu reisen?

Am besten nutzt man lokale Dienstleister, die sich bemühen die Produkte nachhaltig zu gestalten. Man kann auch mal freundlich nachfragen, ob die Unterkunft erneuerbare Energie nutzt, und ob die Inhaber lokal und biologisch einkaufen. Dies zeigt den Inhabern bzw. Unternehmen, dass eine Nachfrage und ein Interesse an Nachhaltigkeit besteht, und dient als Motivation mehr in diese Richtung zu investieren.

Fairaway bekennt sich zu seiner Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, Tieren und Umwelt. Wie setzen uns stets für verantwortungsvolles Handeln ein. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeitet Fairaway mit seinen eigenen Angestellten, Kunden, Einheimischen und Partnern im Reiseziel, sowie Partnern wie zum Beispiel Nichtregierungsorganisationen eng zusammen. Lesen Sie mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.

Fairaway: Worin siehst du die größte Herausforderung im Themenfeld integrativer Tourismus in den nächsten Jahren?

Tourismus ist ein Sektor, der extrem viel Zusammenarbeit zwischen dem Privatsektor, dem Staat und lokalen Gemeinschaften fordert. Die größte Herausforderung liegt meiner Meinung nach darin, Lösungen, die alle Interessen vereinbaren und abdecken, zu finden und zu implementieren. Meistens bleiben Fragen nach der Verantwortungsübernahme und Kostentragung offen. Wer ist zum Beispiel dafür verantwortlich, dass der Strand sauber gehalten wird? Und wer trägt die Kosten für eine qualitativ gute Ausbildung neuer Arbeitskräfte? Dies muss gemeinsam gelöst und von Fall zu Fall entschieden werden.

Fairaway: Was ist Deine persönliche Motivation gewesen, dich mit dem Thema zu beschäftigen?

Ich interessiere mich besonders für den Tourismus, weil hier Natur und Kultur die Kernressourcen bilden. Wenn wir nicht nachhaltig mit diesen umgehen, leiden wir alle und weitere Generationen an den Folgen. Ich weiß, dass es auch anders geht, und möchte dies dahingehend gestalten.

Wenn du die Wahl hättest, mit welchen drei Persönlichkeiten würdest du gerne essen, was gäbe es zu essen und warum hast du diese Personen ausgesucht?

Eine gute Frage! Ich würde gerne mit meiner Urgroßmutter aus Indonesien essen, weil ich ihre Geschichte erfahren möchte. Mit Björk, weil sie in ihrer Weltansicht allen ein Schritt voraus ist und dem Dalai Lama, weil er lustig ist. Wir bringen alle etwas mit und essen das auf Tortillas.

Endevas ist eine Organisation, die Inspirationen und Lösungen für Unternehmen in Bezug zur Entwicklungszusammenarbeit anbietet. Als unabhängige Organisation arbeitet Endeva mit unterschiedlichen Partnern aus diversen Feldern zusammen, wie z.B. NGOs, Stiftungen oder Universitäten. Die Mission von Endeva ist es, Wissen aufzubauen, zu teilen und integrative Geschäftsmodelle zu implementieren.

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