Jahr des nachhaltigen Tourismus - so funktioniert's

Das Jahr 2017 wurde von der UN World Tourism Organisation zum Internationalen Jahr des nachhaltigen Tourismus erklärt. Warum? Das Ziel des Jahres liegt darin, die enormen Auswirkungen des Tourismus auf unsere Welt zu erkennen: auf unsere Umwelt, unsere Gesellschaften und auf die globale Wirtschaft.

Und auch Sie können etwas bewirken – in der Art und Weise, wie Sie reisen. So kann sichergestellt werden, dass der Tourismus auch positive Auswirkungen in den drei Bereichen hat.

Es liegt noch ein weiter Weg vor uns, die globalen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen – aber die gute Nachricht ist, dass dies eine riesige Chance birgt, die Welt zu verändern. Sind Sie bereit für das Jahr des nachhaltigen Tourismus? Nach dem Lesen des Artikels werden Sie es sein!

Jahr des nachhaltigen Tourismus

Was bedeutet das für uns als Reisende?

Es gab nie eine Zeit, in der unsere Entscheidungen als Reisende mehr bewirkten, und es gab nie eine Zeit, in der wir so einen positiven Unterschied machen können, wie jetzt. Das gilt sowohl für Reisende als auch für Reiseblogger.

Wir haben ein paar inspirierende Top-Reiseblogger nach ihrer Meinung gefragt und lassen sie selbst zu Wort kommen. Hier sind einige der besten Tipps, wie wir alle das Jahr des nachhaltigen Tourismus so gestalten können, dass es den größtmöglichen positiven Einfluss hat.

Faire Löhne und erneuerbare Energien – dafür verzichte ich auch mal auf die Steckdose im Zimmer – Katrin von viel-unterwegs

„Ich reise individuell und nicht all inclusive. Dadurch unterstütze ich lokale Anbieter. Bei der Wahl der Unterkunft achte ich auf die Philosophie. Bevorzuge lieber kleine Eco Lodges Einheimischer, als ein Hotel einer großen Kette. Faire Löhne, verantwortungsbewusster Umgang mit Wasser, Müll und erneuerbaren Energien sind mir dabei wichtig. Auch wenn ich dann die für mich so wichtige Steckdose nicht im Zimmer vorfinde. Nachhaltigkeit fängt bei mir schon damit an, dass ich immer eine eigene Flasche dabei habe, um Trinkwasser aufzufüllen und Plastikmüll zu vermeiden. Schönste Strände und Wüsten ertrinken regelrecht im Plastikmüll – das musste ich im letzten Jahr auf unterschiedlichen Kontinenten feststellen.“

Der respektvolle Umgang ist mir sehr wichtig – zuhause und auf der ganzen Welt. Madlen von Puriy

„Wer gerne und viel reist, befindet sich meist automatisch im Nachhaltigkeits-Dilemma, da Fernreisen meist mit einer Fluganreise verbunden sind. Ich gehe eher den Weg der kleinen Schritte – indem ich im Alltag sowie auf Reisen sensibler mit Dingen umgehe und auch einmal mehr hinterfrage. Dann verinnerlicht sich Nachhaltigkeit auch im eigenen Tun und Handeln.
Ich bin zwar kein klassischer Slow Traveller, aber versuche mich in der Regel beim Reisen auf ein Land zu konzentrieren, um dieses intensiver kennenzulernen. Wenn es die Zeit erlaubt, nutze ich vor Ort die lokalen Verkehrsmittel. Ich bin gern naturnah unterwegs, erkunde die Umgebung lieber beim Wandern, Kajak- oder Radfahren, als im Motorboot oder auf dem Quad. Auch muss ich nicht mit einer Anaconda um den Hals posieren oder mit angefütterten Walhaien schnorcheln. Ich esse gern lokale Speisen, auch gern von Ständen – soweit sie vegetarisch sind. Wasser fülle ich mir, soweit dies in den Ländern möglich ist, in meiner Trinkflasche auf. Der respektvolle Umgang mit Mensch, Tier und Natur ist mir sehr wichtig – egal ob zuhause oder irgendwo auf der Welt.“

Kontakt mit der lokalen Bevölkerung – unsere Kinder brechen das Eis. Andreas von Travelisto

„Reisen bedeutet für uns auch, mit den Menschen vor Ort in Kontakt zu kommen. Denn so können wir sie und ihr Land besser kennenlernen und etwas über ihre Kultur erfahren. In vielen Ländern haben wir viele sehr herzliche, kinderfreundliche Menschen getroffen. Seitdem wir Kinder haben, lernen wir überall auf der Welt viel schneller Einheimische kennen und haben so die spannendsten Begegnungen. Auf Reisen bevorzugen wir meist kleine, familiäre Unterkünfte, wo wir auch mit den Gastgebern schneller ins Gespräch kommen und es oft persönlicher zugeht.“

Lokale Produkte anstatt Discounter-Ware. Julia von Globusliebe

„Um möglichst nachhaltig und verantwortungsbewusst zu reisen, kaufe ich an meinen Reisezielen überwiegend lokale Produkte ein, sei es Naturkosmetik, handgemachter Schmuck, Tücher und Kleidung von Einheimischen oder Obst und Gemüse auf lokalen Märkten anstatt sie beim Discounter zu kaufen, der seine Waren um den halben Globus transportiert, bevor sie im Regal landen. Außerdem bevorzuge ich kleine, individuelle Cafés und Restaurants, die ebenfalls überwiegend Lebensmittel aus der Region verwenden.“

Achtsamkeit auch bei Fernreisen. Lisa von Imprintmytravel.

Ich denke das Wichtigste bei Reisen ist, den Menschen vor Ort etwas zurückzugeben. Und zwar so, dass es auch wirklich bei den Richtigen ankommt. Man kann sich z.B. in Homestays oder Bed & Breakfasts einmieten, anstatt in einen Hotelkomplex und Früchte auf dem Markt, anstatt im Supermarkt, kaufen.

Auch der Müll ist immer wieder ein Thema. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir als Touristen auch Probleme mitbringen. In vielen Ländern fehlt die Infrastruktur, um die „Nebenwirkungen“ des Massentourismus korrekt zu entsorgen, was sich in Müllbergen am Strand und Plastikteppichen im Meer äußert.

Daher sollten wir als Touristen  darauf achten, so wenig Müll wie möglich zu produzieren, sei es, indem wir unsere eigene, nachfüllbare Trinkflasche mitbringen, anstatt Plastikflaschen zu kaufen oder indem wir darauf achten, so wenig verpackte Lebensmittel wie möglich zu kaufen. Vor allem Plastik sollte man so gut es geht vermeiden!

Nachhaltig Reisen heißt Müll vermeiden. Steven von Funkloch

Wer reist, hat in den meisten Fällen seine Küche nicht dabei. Daher gehen wir im Café frühstücken, kaufen uns im Supermarkt etwas zum Mittag und dinieren am Abend in einem Restaurant. Und überall entsteht Müll. Zum Beispiel beim Trinken eines Coffee-to-go’s, an der Supermarktkasse in Form von Plastiktüten oder im asiatischen Restaurant, wenn Einwegstäbchen benutzt werden. Ich war damals irgendwo zwischen Japan und Taiwan, als mir die enorme Müllproduktion eines Reisenden bewusst wurde. Ich schlug nach: Unvorstellbar! 320.000 Kaffeebecher werden pro Stunde in Deutschland in den Müll geworfen. 45 Milliarden Essstäbchen werden pro Jahr in China produziert. Und ganze 6,1 Milliarden Plastiktüten werden in Deutschland pro Jahr verbraucht.

Dagegen musste ich etwas tun. Direkt am Folgetag investierte ich wenige Euro in Mehrwegprodukte. Fünf Euro für einen Thermokaffeebecher, einen Euro in Mehrwegstäbchen aus schönem Holz und einen weiteren Euro in einen Jutebeutel. Sieben Euro, die bis heute jährlich dabei helfen fast 100 Wegwerfbecher, 76 Plastiktüten und 20 Paar Essstäbchen zu sparen. Das hat sich doch gelohnt, oder?

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