Quarantäne in Corona-Zeiten: 

Zwischen Lagerkoller und Solidarität

Corona & Quarantäne: Ein Erfahrungsbericht

Na, sind Sie auch in Quarantäne? Oder kennen jemanden, der in Quarantäne ist? Damit befinden Sie sich gerade in guter Gesellschaft. Unsere Kollegin hat es auch erwischt und sie berichtet hier von ihren Erfahrungen – von der gefühlten Endzeitstimmung beim Test über Einrichten in der Quarantäne bis hin zu ganz viel Solidarität und schönen Momenten. Und davon, wie verdammt schwer es ist, an Klopapier zu kommen. 

Auf in den Corona-Testwahnsinn

Berlin Wedding, Corona Teststation, 8:15 Uhr morgens. Ich bin Nummer 59 auf der Liste, und aktuell ist Nummer 12 dran. Das verspricht spaßig zu werden, vor allem, weil man in einem trotz Heizlüfter dann doch recht zugigen Zelt wartet und zwar einen Mundschutz bekommt, aber sich angesichts der röchelnden Menschen um sich herum dann doch etwas ausgeliefert fühlt. Zumal man selber röchelt. Mein erster Gedanke: Wenn man noch nicht krank herkommt, dann geht man krank wieder nach Hause, ob mit Corona oder Erkältung. Gleichzeitig hält der gutgelaunte Mitarbeiter der Klinik in seinem Schutzanzug, der die Nummern verteilt und die Testkandidaten aufruft, die Stimmung hoch, was bewundernswert ist angesichts dieses Ansturms. Nach vier Stunden geht es dann voran und ich darf zur Aufnahme, zum Gespräch mit einer Ärztin sowie zum eigentlichen Abstrich. Auch hier dauert es wieder ein bisschen, weil das Nummernsystem außer Rand und Band ist. Ein großes Hallo gibt es, als eine Testkandidatin „nur ein negatives Attest für Nepal“ möchte und in die Runde fragt: „Wer von Ihnen ist denn nicht krank? Und wo sollte ich mich auf keinen Fall hinsetzen?“ Kollektives Stirnrunzeln über dem Mundschutz, sind wir doch alle da, um genau das rauszufinden. Nur einer antwortet freimütig und gutgelaunt: „Am besten ganz weit weg von mir.“ Später wird auch klar, warum: Er war in Wuhan und Norditalien, hat außerdem auf einer Messe mit tausenden Besuchern aus aller Welt gearbeitet und lag die letzten zwei Wochen mit Fieber flach. „Ich hab alles schon durch.“ Ihm lasse ich doch gerne den Vortritt, bis ich dann endlich an der Reihe bin und nach fünf Stunden und zwei Abstrichen entlassen werde. An dieser Stelle großen Respekt an das medizinische Personal, bei diesem Ansturm nicht die Nerven zu verlieren und professionell und freundlich zu bleiben!

Corona Test – tut das Not?

Ach ja: Warum ich mich habe testen lassen? Weil ich im Urlaub war mit Freunden, danach alle kränkelten und eine davon schließlich positiv getestet wurde. Durch den direkten Kontakt und weil ich Symptome hatte – nicht schlimmer als eine normale, schlappmachende Erkältung mit leichtem Husten – wurde ich zum Test zugelassen. Was grundsätzlich gar nicht so einfach ist: Es sind einfach nicht genug Kapazitäten da, um alle zu testen. Aktuell dauert es teilweise 5 bis 7 Tage, bis ein Ergebnis vorliegt. Dazu kommt, dass der Test ohne Symptome meist gar nicht anschlägt. Sinnvoller als sich ohne Anhaltspunkte direkt testen zu lassen ist es deshalb, sich in Selbstquarantäne zu begeben – auch ohne Symptome. Aber ich greife vor: Zuerst einmal bekomme ich einen Tag später telefonisch mein Testergebnis. Es ist positiv.

Corona Test

Nach dem Test ist vor der Quarantäne

Uff. Erstmal nicht so schön, obwohl es mir gesundheitlich nicht so schlecht geht. Aber das C-Wort hat einfach etwas Gruseliges an sich, nachdem man seit Wochen von nichts anderem hört oder liest. Die ganze Welt scheint nur noch aus Corona zu bestehen, und jetzt ist er plötzlich nicht nur vor meiner Haustür, sondern mittendrin in meiner Wohnung bzw. meiner WG. Letztere Information sorgt kurz darauf bei der zuständigen Mitarbeiterin des Gesundheitsamts für Schnappatmung: „Wie, Sie wohnen in einer WG?!“ Dass ich auch noch arbeiten war und kurz bei einem Geburtstag vorbeigeschaut habe, als es mir schon besser ging (und ich selbstverständlich nicht wusste, dass jemand aus meinem Umfeld positiv getestet wurde), qualifiziert mich bei ihr auch nicht gerade zum „Fall des Monats“: Jetzt muss sie alle Kontaktpersonen aufnehmen und kontaktieren. Und zwar nicht nur die, die ich aktiv getroffen habe, sondern auch die, die beim Rückflug aus Gran Canaria im selben Flugzeug saßen. Halleluja. Direkt fühle ich mich schuldig. Nicht nur, weil ich der guten Frau Arbeit verursache, sondern auch, weil ich potentiell Leute angesteckt haben könnte. Ich beiße mir selber in den Hintern, dass ich das Ganze nicht ernster genommen habe und stattdessen von einer normalen Erkältung ausgegangen bin – aber zu der Zeit, vor knapp drei Wochen, war die Situation noch nicht so zugespitzt. Trotzdem, es fühlt sich nicht gut an. Zum Glück habe ich ausschließlich Kontakt zu jungen und fitten Menschen gehabt. Besuche bei Eltern, Großeltern, älteren Nachbarn oder Menschen mit Vorerkrankungen sind etwas, worauf wir gerade alle verzichten sollten.

Einrichten in der Quarantäne

Nachdem der formale Teil geklärt ist – zumindest weitgehend, den offiziellen Bescheid habe ich bis heute nicht bekommen und der angekündigte tägliche Anruf mit Fragen nach meinem Wohlbefinden blieben auch aus –, richten meine WG und ich uns in der Quarantäne ein. Das ist am Anfang gar nicht so einfach, da ich furchtbare Angst habe, sie entweder anzustecken oder sie schon angesteckt zu haben. Doch mit der Zeit etablieren wir durch offene Gespräche eine Routine, was Hygiene und den gemeinsamen Aufenthalt in Räumen betrifft. Zum Glück haben wir eine weitläufige Terrasse, auf der wir mittags mit genug Abstand und doch gemeinsam in der Sonne sitzen können. Austausch hilft in diesen Tagen unglaublich – ich habe auch lang nicht mehr so viel telefoniert wie jetzt gerade. Auch die fehlende Bewegung ist eine echte Herausforderung: Offiziell dürfen wir nicht mal mehr den Müll rausbringen. Lagerkoller-Alarm – zum Glück gibt es unzählige Apps und Online-Anleitungen für zu Hause für Workout, Yoga oder Rückengymnastik. Und ich habe noch nie so energetisch das Bad geputzt wie vorgestern.

Gold Wert: Terrasse in der Quarantäne

Und was ist mit Klopapier?

Schnell kommt die Frage der Nahrungsbeschaffung auf. Die Lieferdienste der Supermärkte sind größtenteils ausgebucht. Aber genauso schnell, wie die Frage aufkommt, springen auch schon Superhelden aus dem Schatten: Nicht nur Freunde, die nicht in Quarantäne sind, sondern auch Nachbarn und Arbeitskollegen bieten an, für uns und andere in Quarantäne einkaufen zu gehen. Und das ist gar nicht so einfach, bei den vielen leeren Supermarktregalen. Obwohl immer wieder betont wird, dass es keinen Versorgungsengpass gibt, sondern nur die Lieferketten nicht hinterherkommen, scheint die Panik zu wachsen – nicht nur in Bezug auf all-time-favorite-Klopapier, sondern mittlerweile auch bei allem anderen. Ich würde mir hier sehr wünschen, dass alle ein bisschen solidarischer denken und darauf vertrauen, dass genug für alle da ist. Gleichzeitig verstehe ich die Unsicherheiten in diesen Tagen.

Mit ganz viel Solidarität durch die Krise

Aber zurück zu unseren kleinen Helferlein: Ich bin wirklich sehr gerührt in den letzten Tagen. Und unsere WG ist nur ein Beispiel – überall organisieren sich Gruppen für Nachbarschaftshilfe. Mein Appell an Sie, wenn Sie fit sind und nicht in Quarantäne: Werden Sie Teil dieser wunderbar solidarischen Bewegung. Verhalten Sie sich dabei verantwortungsvoll. Helfen Sie mit, damit wir alle gemeinsam diese Krise mit möglichst wenig Schaden zu überstehen.

Hilfe in der Nachbarschaft: Solidarität in der Quarantäne

  • Helfen Sie Nachbarn und Freunden – zum Beispiel durch einkaufen, Gassi gehen oder Kinderbetreuung.
  • Vermeiden Sie dabei vorsichtshalber auch ohne Symptome den direkten Kontakt (z. B. indem Sie Einkäufe vor die Tür stellen) – gegen einen Plausch vom Balkon oder Fenster ist natürlich nichts einzuwenden.
  • Meiden Sie den Kontakt zu Menschen aus Risikogruppen – auch wenn das bedeutet, den 90. Geburtstag von Omi zu schwänzen.
  • Bleiben Sie auch ansonsten soweit es möglich ist zu Hause, auch, wenn es schwerfällt. Solidarität denen gegenüber, die durch Corona wirklich gefährdet sind, ist gerade unglaublich wichtig. Zum Schutz und dafür, dass die Situation sich bald wieder normalisiert.
  • Buchen Sie, wenn Sie die Gelegenheit haben, Reisen um, statt zu stornieren. So sichern Sie vielen Menschen in den Reiseländern ihren Lebensunterhalt.
  • Wenn Sie gerade noch auf einer Reise sind: Befolgen Sie die Anweisungen des Reiselandes, was Quarantäne und Co. betrifft. Nicht alle Länder sind medizinisch so gut vorbereitet auf eine Epidemie. Und tragen Sie sich in die Krisenvorsorgeliste ein, um wieder nach Hause zu kommen.
  • Gehen Sie mit Symptomen nicht zum Hausarzt oder direkt zum Test, sondern sprechen Sie mit einer Hotline oder dem zuständigen Gesundheitsamt
  • Hamstern Sie nicht, sondern kaufen Sie einfach wie für einen normalen Wocheneinkauf ein.
  • Halten Sie die Grippe-Etiquette ein – Husten und Niesen in die Ellenbogenbeuge – und verzichten Sie auf Umarmungen und Händeschütteln.
  • Waschen Sie sich die Hände. Oft. Mit Seife.

Und wie geht es jetzt in der Quarantäne-WG weiter? Die Dame vom Gesundheitsamt und ich sind mittlerweile versöhnt, plaudern nett am Telefon. Ich habe vollstes Verständnis für die Überforderung der Ämter, sie scheint mir nicht mehr böse zu sein. Morgen kommt jetzt ein Abstrich-Mobil bei mir vorbei und testet mich und meine Mitbewohner. Wenn wir negativ sind, dürfen wir bald wieder raus, spazieren gehen, joggen, selber auf Klopapier-Jagd gehen – und ich werde mir mein Superheldinnenoutfit überstreifen und allen Freunden und Nachbarn in Quarantäne ihre Wünsche von den Augen ablesen.

So wird es in der Quarantäne nicht langweilig

Ihnen wird so langsam langweilig zu Hause? Das kann ich gut verstehen. Gleichzeitig ist Zeit auch ein Geschenk. Vielleicht haben Sie sich ja in den letzten Monaten im Alltag öfter mal gewünscht, einfach ein bisschen mehr Ruhe zu haben. Voilà, genau das haben Sie jetzt – Zeit, es sich schön zu machen. Hier einige Ideen für die Quarantäne, egal ob selbst beschlossen oder offiziell angeordnet:

  • Ganz viel telefonieren – zum Beispiel mit Oma, den Eltern, Freunden, die man schon lange mal anrufen wollte etc.
  • Frühjahrsputz machen
  • Steuerklärung anfangen
  • Das Buch lesen, was im Alltag immer zu kurz kommt
  • Ohne schlechtes Gewissen eine Staffel der Lieblingsserie am Stück gucken
  • Neue Koch- oder Backrezepte ausprobieren
  • Etwas Neues ausprobieren – zum Beispiel stricken, Yoga und meditieren, eine neue Sprache lernen etc.
  • Die Grillsaison auf dem Balkon eröffnen
  • Kreativ werden

Kreativität in der Quarantäne

  • Wenn mehr als eine Person in der Wohnung lebt: Brettspiele rauskramen
  • Sudokus lösen
  • Die Wohnung neu dekorieren
  • Im Home Office: sich Zeit nehmen für eine Kaffeepause per Skype oder Slack mit Kollegen
  • Die Steuererklärung machen
  • Den Kleiderschrank ausmisten
  • Nach schöner neuer Musik suchen und einfach mal nur zuhören
  • Alte Poesiealben und Briefe hervorkramen und in Erinnerungen schwelgen
  • Ein Traumtagebuch schreiben (meine Träume in der Quarantäne sind aus irgendeinem Grund extrem fantasievoll)
  • Einen Wellnesstag einlegen
  • Dokus auf Arte und Co. schauen
  • Zeit für sich und seine Gedanken nehmen
  • Mut zur Langeweile haben
  • Träumen – wenn Reisen wieder uneingeschränkt möglich ist, wohin soll es gehen?

Traumhaftes Reiseziel für Ostern: Indonesien

Nachhaltig und verantwortungsvoll Reisen

In der Reisebranche finden Sie immer mehr soziale Unternehmen, wie Fairaway. Für uns ist es wichtiger, einen positiven Beitrag zu einer schöneren Welt zu leisten, als Geld zu verdienen. Als soziales Unternehmen halten wir es für wichtig, dass die Menschen in den besuchten Ländern auch vom Tourismus profitieren. Dies bedeutet zum Beispiel, dass Angestellte ein angemessenes Einkommen haben, dass Reisende häufig in kleinen Hotels übernachten und Ausflüge unternehmen, die ein authentisches Erlebnis bieten. 

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